Bildungsforschung kompakt

Die Meldungen im Juni

Nationaler Bildungsbericht: Fachkräftemangel könnte zu größeren Klassen führen

Der Mangel an pädagogischen Fachkräften ist laut aktuellem Nationalen Bildungsbericht eines der größten Probleme im deutschen Bildungssystem. Allein bis 2030 fehlen danach in Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten fast 180.000 Fachkräfte. 2025 wird das Minus bereits bei 66.000 Kräften liegen. Damit würde der ab 2026 greifende Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Ganztagsgrundschule kaum zu erfüllen sein. „Die Frage des Personalbedarfs ist eine der drängendsten“, sagt Kai Maaz, geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation und Sprecher der Autor:innengruppe des Berichts. Dies könne zu „Verteilungskämpfen” mit der Industrie führen, die ebenfalls händeringend Fachkräfte sucht. Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Schleswig-Holsteins Schulministerin Karin Prien, sagte, man müsse in Erwägung ziehen, die Klassen wieder zu vergrößern. Das habe Studien zufolge weniger negative Folgen als vielfach vermutet.
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Exzessive Handynutzung verschlechtert vermutlich Sehkraft von Schüler:innen

Laut einer Studie des japanischen Bildungsministeriums nimmt die Kurzsichtigkeit von Schüler:innen zu, je älter sie werden. Demnach haben bereits fast 30 Prozent der Schüler:innen der dritten Klassen Kurzsichtigkeit entwickelt. In der ersten Klasse hatten im Vergleich weniger als zwei Prozent eine solche Sehschwäche. Das Ministerium analysierte die Daten von 7400 Schüler:innen zwischen April und Juni 2021 an 26 Grund- und Mittelschulen. Es untersuchte dabei, ob Schüler:innen an Kurz- oder Weitsichtigkeit leiden und verglich die Befunde mit ihren persönlichen Lebens- und Verhaltensweisen. Die Studie des Ministeriums betrachtete dabei auch, wie lange Smartphones oder Handheld-Spiele durch die Schüler:innen täglich genutzt wurden. Das Ergebnis: Mehr als 20 Prozent der Schüler:innen im ersten, zweiten und dritten Jahr der Junior High School verbringen jeden Tag 120 Minuten oder mehr mit solchen Geräten. Noriyuki Azuma, Präsident der japanischen Vereinigung für Kinderaugenheilkunde, nannte das einen “wichtigen Faktor” für die Verschlechterung der Sehkraft der Schüler:innen. “Sie müssen draußen spielen und mehr Zeit damit verbringen, in die Ferne zu sehen, oder die Zeit, in der sie auf Bildschirme schauen, begrenzen.“

Hochbegabte Kinder verstecken ihre Talente

Hochbegabte Kinder langweilen sich in der Schule, empfinden ihre Fähigkeiten oft als ein Stigma und versuchen sie zu verbergen. Das hat eine Studie des Centre for Talented Youth Ireland (CTYI) der Dublin City University ergeben, bei der 2600 hochbegabte Schüler:innen jährlich über einen Zeitraum von zehn Jahren befragt wurden. Mehr als drei von zehn gaben an, dass sie aufgrund des Stigmas, in der Schule gut zu sein, versuchen würden, ihre Fähigkeiten vor ihren Freunden zu verbergen. Die Untersuchung ergab auch, dass weibliche Schüler in dieser Hinsicht mehr Leistungsdruck verspüren als ihre männlichen Mitschüler. Fast alle Teilnehmenden der Studie berichteten zudem von dem Gefühl, sich in der Schule nicht ausreichend mit dem Thema auseinandersetzen zu können. Viele Schüler:innen erzählten den Forschenden, dass sie versuchten, sich dem Verhalten der anderen Schüler:innen anzupassen und ihre Talente zu verbergen, um vermeintlich besser in der Gruppe akzeptiert zu sein. Einige beklagten, dass sie ganz konkret von anderen Schüler:innen "abgelehnt" würden.
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20.06.2022

Unterrichtsqualität wirkungsvoller als Unterrichtsquantität

Fachlich qualifizierte Lehrkräfte haben einen größeren Einfluss auf Schüler:innenleistungen als die Menge an Unterricht. Das ist das Ergebnis einer Studie des ifo-Instituts, die in mehreren Ländern Leistungsunterschiede in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften aus dem Jahr 2015 untersuchte. Demnach hat zwar auch die Unterrichtsmenge allein einen leicht positiven Effekt auf die Leistungen der Schüler:innen, deutlich stärker wirkt jedoch die Lehrerqualität, gemessen an den formalen Qualifikationen der Lehrer. Besonders sichtbar wurde dieser Effekt in Entwicklungsländern wie Chile, Oman oder Saudi-Arabien mit einem weniger entwickelten Bildungssystem. Hier hat mehr Unterrichtszeit allein keinen signifikant positiven Effekt auf die Schüler:innenleistungen, geben hier jedoch hochqualifizierte Lehrkräfte Unterricht, verbessern sich die Testergebnisse der Schüler:innen spürbar.
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US-Studie: Glaube an eigenes Wachstum verbessert Noten

Wenn Schüler:innen vermittelt bekommen, dass sie ihre intellektuelle Fähigkeiten durch Anstrengung und Lernen verbessern können, wirkt sich das positiv auf ihre Schulnoten aus. Das hat eine US-Studie der University of California an Schüler:innen und Lehrkräften der 6. und 7. Klassen in Orange County und New York City ergeben. Demnach nutzen Kinder, die eine Wachstumsmentalität (“growth mindset”) von Lehrkräften und Umgebung vermittelt bekommen und annehmen, mehr Lernmöglichkeiten, erreichen bessere Noten und werden widerstandsfähiger gegenüber akademischen Rückschlägen. Diese Wachstumsmentalität können Lehrkräfte beispielsweise erreichen, indem sie die Schüler:innen bitten, Fächer zu identifizieren, in denen sie sich verbessern möchten, und ihnen helfen, einen Plan zu entwerfen, um ihr Lernen in diesen Fächern zu maximieren. Die Autoren der Studie fanden heraus, dass die positive Effekt auf die Noten bei leistungsschwächeren Schüler:innen am stärksten war. Die Studie untersuchte fast 2000 Schüler:innen der sechsten und siebten Klasse und 50 Lehrkräfte in 12 Schulen in Orange County und New York City während eines gesamten Schuljahres vor den Schließungen durch die Pandemie.
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Schulschließungen waren wirksam gegen Coronavirus

Die Verbreitung des Coronavirus ist jenseits von medizinischen Maßnahmen besonders durch Informationskampagnen und Schulschließungen verlangsamt worden. Dies zeigt jetzt eine Untersuchung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Diese ergab, dass Informationskampagnen die Reproduktionszahl und damit die Anzahl an Menschen, die eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt, um 0,35 senkten. Schulschließungen erreichten hier einen Wert 0,24. Ebenfalls wirksam waren der Studie zufolge Corona-Tests, die Kontaktnachverfolgung, internationale Reisebeschränkungen, sowie der Verzicht auf öffentliche Veranstaltungen und eine verringerte Präsenz in Betrieben, etwa durch Homeoffice. Stoffmasken hatten dagegen kaum einen statistisch messbaren Erfolg bei der Verringerung von Infektionen. Alexander Sandkamp, der Autor der Studie betont jedoch, dass aus der hohen Wirksamkeit einer Maßnahme nicht automatisch eine Empfehlung zur politischen Umsetzung folge, „wenn wie im Fall von Schulschließungen die negativen Folgen stark sind”. Für die Studie wurden Daten aus fast 200 Ländern erhoben, auch aus Deutschland.
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13.06.2022

Lehrkräfte nach zwei Jahren Pandemie stark überlastet

Eine große Mehrheit an Lehrkräften sehen sich und ihre Kolleg:innen nach zwei Jahren Corona stark oder sehr stark belastet. Das hat eine Umfrage im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung unter 1017 Lehrkräften an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Deutschland ergeben. Demnach arbeitet eine überwiegende Mehrheit inzwischen in der Regel auch am Wochenende, etwa die Hälfte der Befragten bestätigt, häufig oder sehr häufig nachts zwischen 22 und 6 Uhr zu arbeiten. 6 von 10 Lehrern geben an, sie fühlten sich körperlich erschöpft und eine Erholung in der Freizeit sei kaum noch möglich. Gründe für die chronische Überbelastung sehen die Studienmacher in den Begleiterscheinungen von Corona: So müssten Lehrkräfte eine Digitalisierung in hohem Tempo kompetent begleiten, Schutzrichtlinien überwachen und Lernrückstände aufholen. Gleichzeitig gelte es, den Fachkräftemangel abzufedern und eine steigende Zahl von geflüchteten ukrainischen Kindern und Jugendlichen in die Schulen zu integrieren. Dennoch geben 74 Prozent der Lehrkräfte an, sie seien immer noch zufrieden mit ihrem Job, einige wollten jedoch künftig kürzertreten.
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Die Corona-Zeit macht viele Kinder unglücklicher

Kinder sind durch die Pandemie weniger gut gestimmt und weniger zufrieden mit dem Familienleben. Das zeigt jetzt eine Studie vom Institut für Psychologie der Technischen Universität Dortmund. Das Forscher:innen-Team hatte vor und nach dem ersten Lockdown im Mai und Juni 2020 an vier Grundschulen 425 Schüler:innen zu ihrem subjektiven Wohlbefinden befragt. Die abgenommenen Zufriedenheitswerte zeigen sich bei allen Kindern – unabhängig vom sozialen Hintergrund oder Geschlecht. Das Forscher:innenteam verweist auf soziale Beziehungen und das Kompetenzerleben in der Schule, im Sportverein oder in anderen außerschulischen Einrichtungen als wichtige Faktoren für das subjektive Wohlbefinden von Kindern. Kinder hätten daher unter den Infektionsschutzmaßnahmen wie Schließungen der Schulen oder der Sportvereine besonders gelitten.
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Fast jedes Kind benutzt Smartphone oder Tablet

So gut wie alle Kinder und Jugendlichen zwischen 6 und 18 Jahren nutzen in Deutschland ein Smartphone oder Tablet. Auch die Jüngsten zwischen 6 und 9 Jahren sind zu 95 Prozent an mindestens einem dieser beiden Geräte aktiv. Das hat eine Umfrage des Branchenverbands der deutschen Telekommunikations- und Informationsbranche bitkom unter 920 Schüler:innen ergeben. Demnach geht die Mehrheit der Kinder mit den Geräten täglich ins Internet. 6- bis 9-Jährige seien dabei 49 Minuten pro Tag im Netz, Jugendlich ab 13 Jahren verbringen schon über zwei Stunden pro Tag online. Die Interaktion mit Tablet und Smartphone hat dabei über die letzten Jahre stark zugenommen, gerade bei den Jüngeren: Im Jahr 2014 nutzten lediglich 20 Prozent der 6- bis 7-Jährigen ab und zu ein Smartphone, inzwischen sind es 64 Prozent.
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Viele Schüler:innen in Österreich können nicht mehr schwimmen

Rund 162.000 Kinder und Jugendliche in Österreich im Alter zwischen fünf und 19 Jahren können nicht schwimmen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV), bei der 2300 Menschen aus Österreich befragt wurden. Die Ergebnisse wurden auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. Demnach sind Millionen an Schwimmstunden während der Corona-Pandemie in den Schulen ausgefallen, in den Volksschulen fiel der Schwimmunterricht komplett aus, auch sonst waren Kinder seit Pandemiebeginn weniger im Wasser als die Jahre zuvor. Schüler:innen zwischen fünf und neun Jahren machen den Großteil der Nichtschwimmerkinder aus: 132.000 Kinder dieser Altersgruppe sind Nichtschwimmer, 51.000 Kinder in diesem Alter sind (sehr) unsichere Schwimmer.
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07.06.2022

Nach Corona: Handschreiben fällt Schüler:innen immer schwerer

Kinder können immer schlechter Handschreiben, insbesondere Jungen, die in diesem Bereich schon vor der Pandemie Probleme hatten, sind betroffen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Schreibmotorik Instituts und des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Für diese wurden 850 Lehrkräfte aus dem Primar- und Sekundarbereich online befragt. Demnach sind fast ein Drittel der Lehrkräfte im Primarbereich und sogar gut die Hälfte der Lehrkräfte im Sekundarbereich mit den Leistungen ihrer Schülerinnen und Schüler beim Handschreiben unzufrieden. 76 Prozent der Lehrkräfte gaben an, dass es häufig oder sehr häufig an Schreibstruktur mangele. Ähnlich viele monierten, dass die Schreibgeschwindigkeit zu langsam und  die Handschrift ihrer Schülerinnen und Schüler oft unleserlich sei. Insbesondere bei Jungen, die schon vor der Pandemie Probleme mit der Handschrift hatten, machten die Lehrkräfte einen leichten oder sogar starken Einbruch der Leistung aus. Bei den Mädchen, von denen sich ein Drittel mit dem Schreiben von Hand schwertut, sehen 56 Prozent der Befragten eine leichte bis starke Verschlechterung. Aber auch bei denjenigen, die bislang durch gute Leistungen beim Handschreiben glänzten, sieht jede vierte Lehrkraft eine negative Entwicklung.
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Baden-Württemberg: Kinder haben deutlich an Fitness verloren

Kinder in Baden-Württemberg sind heute weniger fit als in den Jahren zuvor. Das hat die aktuelle Studie der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT)  ergeben. Seit 2012 untersuchen die Sportwissenschaftler:innen jährlich die Fitness von Drei- bis Zehnjährigen in Baden-Württemberg. Für dieses Jahr wurden die Daten von rund 25.400 Kindern ausgewertet. Den Ergebnissen zufolge sind die Kinder tendenziell langsamer und weniger ausdauernd als vor der Corona-Pandemie, auch die koordinativen Fähigkeiten haben sich verschlechtert. Allerdings sei eine Verbesserung bei der Kraft erkennbar. Eltern hätten mit ihren Kindern in den Lockdowns eher kräftigende Übungen auf kleinem Raum gemacht. Als Grund für die insgesamt schlechtere Fitness führen die Macher der Studie fehlenden Sport in Turn- und Sportvereinen oder im Schulunterricht an. Erst in den kommenden Jahren seien Aussagen über die nachhaltigen Auswirkungen der Pandemie auf die Fitness der Kinder möglich, schreiben die Forscher:innen.
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Schüler:innen wollen am liebsten bei der Polizei arbeiten

Die Polizei ist nach wie vor der beliebteste Wunsch-Arbeitsgeber bei Schülerinnen und Schülern. Das hat das “Schülerbarometer” des Marktforschungsinstituts Trendence zu Berufswünschen herausgefunden, für das von Januar bis Oktober vergangenen Jahres knapp 25.000 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 8 bis 13 befragt wurden. Auf Platz zwei der beliebtesten Arbeitgeber kommt demnach die Bundeswehr, Rang drei geht an den führenden deutschen Sportartikelhersteller Adidas. Auf den Plätzen vier bis acht finden sich fünf Autohersteller. Die letzten beiden Plätze der Top 10 teilen sich gleichauf der Zoll und der Softwarehersteller Microsoft. Neu im Ranking ist neben dem Autohersteller Tesla auf Platz fünf auch die Berliner Universitätsmedizin Charité auf Platz 16. Über die Branchen hinweg geben nach wie vor die meisten Befragten an, sich bei Arbeitgebern im öffentlichen Sektor bewerben zu wollen. Mit 36,7 Prozent sind das allerdings weniger als noch 2021 (43,8 Prozent). Mit einem Zuwachs von 7 Prozent gewinnt gegenüber dem Vorjahr der Handel am deutlichsten an Interessenten. Als zentralen Faktor für die Wahl des zukünftigen Arbeitgebers geben 56,3 Prozent den Zusammenhalt unter Kollegen an.
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