Bildungsforschung kompakt

Die Meldungen im September

Schulkinder haben sich in der Pandemie weniger bewegt

In der Pandemie hat sich die die Bewegunsarmut von Schulkindern nochmals verschlimmert. Das weist jetzt eine Studie des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel im Auftrag der Krankenkasse DAK nach, für die rund 18.000 Mädchen und Jungen aus 1.100 Klassen in 13 Bundesländern befragt wurden. Demnach war mehr als jedes dritte Schulkind in der Coronazeit nach eigenen Aussagen weniger sportlich aktiv. Von den Schulkindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen berichten sogar 44 Prozent von einem negativen Einfluss der Pandemie auf den Sport. Im Vergleich zur Zeit vor Corona ist bei diesen Jungen und Mädchen der Anteil derjenigen die ausreichend aktiv sind, um fast ein Fünftel von 27 auf 22 Prozent gefallen. Insgesamt bewegen sich der Studie zufolge zwei Drittel aller Schulkinder zu wenig, was die kindliche Entwicklung massiv gefährde. Im Durchschnitt verbringen Schulkinder mehr als zwölf Stunden täglich im Sitzen. 
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Programm zum Schulmanagement verbessert Lage an Brennpunktschulen

Das seit fünf Jahren laufende Pilotprojekt “impakt schulleitung”, das die Leitungskräfte von sogenannten Brennpunktschulen unterstützt und die Lernbedingungen für die Schülerinnen und Schüler verbessern soll, zeigt nachweisbar positive Wirkungen. Das hat eine Studie des Instituts für Bildungsmanagement und Bildungsökonomie der Pädagogischen Hochschule Zug ergeben. Der Untersuchung zufolge wirkt sich das dreijährige Programm, das sich auf Schulmanagement, pädagogische Führung sowie die Vernetzung von Schulleitungen konzentriert, etwa positiv auf die Motivationssteigerung, Kompetenzentwicklung sowie die Verhaltens- und Organisationsveränderung an Brennpunktschulen aus. Die Schulen seien durch das Programm zudem geübter im Umgang mit Heterogenität und zeichneten sich etwa durch ein bessere Schulkultur aus, die von Professionalität und Wertschätzung geprägt ist. Methodisch fußt die Studie auf mehreren Formen der Datenerhebung, darunter Fragebögen, Interviews mit Lehrkräften, Schüler:innen und Coaches sowie statistischen Daten, etwa aus den Vera-Vergleichsarbeiten. 
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US-Studie: Drei Viertel aller Kinder im Internet wurden online bereits bedroht

72 Prozent der Kinder, die auf das Internet zugreifen, sind dort bereits mindestens einer Cyber-Bedrohung begegnet. Dies hat eine Untersuchung der Boston Consulting Group und des Global Cybersecurity Forums ergeben. Unter anderem wurden weltweit 41.000 Eltern und Kinder befragt, die in 24 Ländern online sind. Die Ergebnisse zeigen, dass zwar 83 Prozent der befragten Kinder angaben, dass sie sich an ihre Eltern wenden würden, wenn sie online bedroht würden. Tatsächlich wurden jedoch nur 39 Prozent der Eltern von den Kindern mit Sorgen über Online-Bedrohungen angesprochen – ein Hinweis darauf, dass viele Vorfälle unentdeckt bleiben. Darüber hinaus wurde deutlich, dass nur 41 Prozent der Eltern die problematischen Inhalte, die ihre Kinder erhalten, der Polizei melden und nur etwa ein Drittel ihre Schule darüber informierten. Drei Viertel der Eltern begrenzen zwar die Zeit, die ihre Kinder im Internet verbringen, aber nur 60 Prozent davon überprüfen die Internetaktivitäten ihrer Kinder mindestens einmal pro Woche. 20 Prozent tun dies sogar nur einmal im Jahr.
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20.09.2022

VERA in Baden-Württemberg: Ein Drittel der Achtklässler verfehlt Mathe-Standards

Bei den aktuellen Ergebnissen der Vergleichsarbeiten VERA 8 für 2022 für Baden-Württemberg zeigen sich erhebliche Lerndefizite. So haben 32 Prozent der Schülerinnen und Schüler der achten Klassen die Mindeststandards in Mathematik für den mittleren Schulabschluss noch nicht erreicht. 19 Prozent verfehlen in der Orthografie den Mindeststandard des mittleren Schulabschlusses, im Lesen erreichen 13 Prozent nicht die Mindeststandards. Die VERA-Ergebnisse lassen sich hierbei nicht eindeutig auf die Corona-Pandemie als Ursache der Defizite zurückführen. Aufgrund der Konzeption eignet sich die Tests nur eingeschränkt für Vergleiche über die Jahre, da sie nicht als Verlaufsstudien konzipiert sind. Die Vergleichsarbeiten bieten hingegen verlässliche Vergleichswerte auf Klassenebene und geben den Lehrerinnen und Lehrern Hinweise auf Handlungsbedarf im Unterricht. Die Vergleichsarbeiten VERA 8 werden seit dem Schuljahr 2015/16 verpflichtend durchgeführt. Lernstandserhebungen werden nicht benotet und sind nicht Teil der Leistungsbewertung der Schülerinnen und Schüler. VERA 8 wird dabei als standardisierter Test nach wissenschaftlichen Kriterien vom Institut für Qualität im Bildungswesen (IQB) konzipiert. Seit dem 1. März 2019 liegt die Zuständigkeit für die Durchführung beim Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW).
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Schüler:innenbefragung in Hessen: 60 Prozent bemängeln fehlende Struktur im digitalen Unterricht

Den digitalen Unterricht während der Corona-Pandemie hat ein Großteil der Schülerinnen und Schüler als mangelhaft empfunden, 60 Prozent kritisierten die fehlende Struktur. Das hat eine Befragung der Landesschüler:innenvertretung Hessen von knapp 9500 Schülerinnen und Schülern in den Abschlussklassen aller Schulformen zwischen November 2021 und Februar 2022 ergeben. Durchgeführt hat die Befragung das IMC Institut für Marketing und Controlling in Aachen. Der Befragung zufolge gab eine große Mehrheit der Schüler:innen an, Schule als psychische Belastung zu empfinden, drei Viertel der Befragten finden, dass der aktuelle Unterricht nicht lebenspraktisch genug sei. 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler gaben zudem an, in der Schule entweder von Rassismus betroffen gewesen zu sein oder diesen erlebt zu haben.
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Mehr als 45 Milliarden Euro: Investitionsrückstand in Schulen verharrt auf hohem Niveau

Dank größerer Investitionen in moderne Schulgebäude in den vergangenen Jahren hat sich der bundesweite Investitionsrückstand im Bereich Schulen leicht verringert auf 45,6 Mrd. EUR im Jahr 2021. Er liegt damit allerdings nur etwa 900 Milliarden unter dem Stand des Vorjahres, insgesamt hat er sich in den vergangenen fünf Jahren trotz aller Bemühungen kaum verändert. Das hat eine aktuelle Sonderauswertung der staatlichen Förderbank KfW ergeben. Demnach sei vor allem besorgniserregend, dass die Unterschiede bei der Betroffenheit von hohen Rückständen zwischen den Kommunen weiter zunehmen. So vermelden im KfW-Kommunalpanel 2022 rund 17 Prozent der Kommunen einen gravierenden Rückstand bei den Schulgebäuden und damit ein Investitionsdefizit. Dieser Wert hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, 2015 lag er noch bei nur 10 Prozent. Gleichzeitig verharrt der Anteil der Kommunen, die im Bereich der Schulen keine oder nur geringe Investitionsrückstände wahrnehmen, auf einem nahezu unveränderten Niveau: 47 Prozent im Jahr 2015 gegenüber 45 Prozent in der aktuellen Befragung. In der Mitte schrumpfte der Anteil der Kommunen, die „nur“ einen nennenswerten Investitionsrückstand bei Schulen wahrnehmen von 43 Prozent im Jahr 2015 auf nunmehr 39 Prozent. Es komme mit Blick auf die Dringlichkeit der Investitionsrückstände damit zu einer zunehmenden Polarisierung zwischen Kommunen mit guter und Kommunen mit schlechter Schulinfrastruktur.
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13.09.2022

Corona-Aufholprogramm erreicht am stärksten betroffene Schüler:innen kaum

Die zwei Milliarden Euro des Aktionsprogramms “Aufholen nach Corona” von Bund und Ländern sind weitgehend nach dem Prinzip Gießkanne verteilt worden und haben so kaum die Schülerinnen und Schüler erreicht, deren Lernfortschritte unter der Pandemie besonders gelitten haben. Das hat jetzt eine Studie des Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) für Sozialforschung ergeben. Für alle 16 Bundesländer wurde hierbei untersucht, wie die Hilfen konzipiert und umgesetzt wurden. So haben in vielen Bundesländern vergleichsweise privilegierte Schulen wie etwa Gymnasien oder Privatschulen im selben Umfang Mittel erhalten wie sozial belastete Schulen. Gerade außerschulische Angebote wie private Nachhilfe oder freiwillige Ferienprogramme, die in vielen Landesprogrammen ein starkes Gewicht haben, kamen besonders förderbedürftigen Schüler:innen nicht im angestrebten Maße zugute. Nur wenige Bundesländer haben die Mittel auf Grundlage von Lernstandserhebungen (Brandenburg) oder Sozialindizes (Hamburg, Hessen und teilweise Nordrhein-Westfalen) vergeben. Für die Mehrheit der Länder bleibt es zudem fraglich, inwieweit es die geforderte Konzentration auf die Förderung von Kernkompetenzen in den Kernfächern Deutsch und Mathematik gegeben hat.
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Studie: Bester Informatikunterricht in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen

Informatikunterricht in der Sekundarstufe I ist je nach Bundesland höchst unterschiedlich verfügbar und oftmals unverbindlich, insgesamt wird er nur “lückenhaft und unterbesetzt” angeboten. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und der Heinz Nixdorf-Stiftung. Demnach sind bereits seit dem Jahr 2005 konstant nur etwa zwei Prozent aller Grund- und Leistungskurse in der Oberstufe Informatikkurse. Auch der Anteil an Schülerinnen und Schülern, der Informatik belegt, hat sich seither kaum verändert. Im Angebot des Fachs Informatik schneiden die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen am besten ab. Für einen gesamtdeutsche Unterrichtsversorgung auf dem Niveau dieser beiden Bundesländer müssten allerdings mehr als doppelt so viele Lehrer für den Fachbereich eingestellt werden, als es aktuell gibt, schreiben die Autor:innen der Studie. Derzeit gibt es in Deutschland etwa 10.000 Informatiklehrkräfte. Die Autor:innen der Studie gehen des Weiteren von hohen Studienabbruchzahlen im Lehramt Informatik aus. Für eine gesellschaftliche Teilhabe in modernen Gesellschaften seien informatische Kompetenzen wichtig. Der zentrale Baustein zur Vermittlung dieser Kompetenzen sei ein verpflichtender Informatikunterricht an den allgemeinbildenden Schulen in Deutschland.
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Ärmere Schüler:innen eher gefährdet von Social Media abhängig zu werden

Jugendliche aus benachteiligten und einkommensschwachen Verhältnissen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, von Social Media abhängig zu werden. Das hat die Studie ”Health Behavior in School-aged Children” der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergeben, bei der knapp 180.000 Jugendliche im Alter von 11, 13 und 15 Jahren in 43 Ländern befragt wurden. Ihr zufolge gibt es eindeutige Zusammenhänge zwischen Ungleichheit und der problematischen Nutzung von Social Media (“Problematic Social Media Use” –  PSMU abgekürzt). Demnach stehen besonders die Kinder und Jugendlichen in der Gefahr nach TikTok, Instagram oder WhatsApp süchtig zu werden, die Schulen besuchen, in denen große soziale Unterschiede zwischen Familien von Klassenkamerad:innen bestehen. Zu den negativen Verhaltensmustern bei der Abhängigkeit von Social Media gehört laut der Untersuchung, dass Schülerinnen und Schüler die Bildschirmzeit nicht reduzieren können und ihre Freunde und Familie über die Nutzung sozialer Medien anlügen.
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06.09.2022

Studie: Mädchen fehlt es an weiblichen Vorbildern im MINT-Bereich

Viele Schülerinnen finden MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik) interessant, entscheiden sich aber oftmals gegen ein Studium oder eine Ausbildung in diesem Bereich. Das hat eine Studie der IU Internationalen Hochschule ergeben, bei der insgesamt 777 Schülerinnen befragt wurden. Demnach sind 70 Prozent der befragten Schülerinnen an MINT-Themen interessiert, haben aber nach wie vor Bedenken, wenn es um ein MINT-Studium oder eine Ausbildung in diesem Fachbereich geht. Mehr als 40 Prozent fühlen sich in MINT-Fächern überfordert oder finden diesen Themenbereich zu schwierig. Fast die Hälfte der befragten Schülerinnen empfinden MINT-Fächer als langweilig. Nur wenige der Befragten haben Freundinnen oder weibliche Verwandte, die in MINT-Berufen arbeiten. Über ein Drittel kennt gar keine:n, der:die mit MINT beruflich zu tun hat. Um die skeptische Haltung gegenüber MINT-Fächern zu verändern,  sind nach Einschätzung der Forscherinnen Orientierungsangebote für die Berufs- oder Studienwahl sinnvoll. Zwei Drittel der Schülerinnen, die bereits Praktika absolviert oder in den Ferien gearbeitet haben, gaben an, dass sie das für nützlich halten.
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Auszubildende sehen schulische Berufsorientierung kritisch

Eine große Mehrheit heutiger Auszubildender schätzt die Berufsorientierung an Schulen als kaum hilfreich ein. Das hat der neue Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) ergeben, für den 14.428 Auszubildende befragt wurden. Demnach wird die Vorbereitung auf die Berufswahl im Rahmen der schulischen Berufsorientierung und durch die Berufsberatung der Agentur für Arbeit von einer großen Mehrheit der Auszubildenden  schlecht bewertet: Lediglich gut ein Viertel der Auszubildenden (27,8 Prozent) ist der Auffassung, dass ihnen die Angebote der Berufsorientierung in der allgemeinbildenden Schule dabei geholfen haben, ihren Beruf zu wählen. Weniger als ein Drittel der Befragten (28,9 Prozent) gab an, in diesem Prozess die Berufsberatung der Agentur für Arbeit in Anspruch genommen zu haben. Gleichzeitig lieferten die Ergebnisse aber auch Hinweise darauf, dass eine qualitativ hochwertige und praxisorientierte schulische Berufsorientierung einen wichtigen Beitrag zur Wahl des passenden Ausbildungsberufs leisten könne, schreiben die Autoren der Studie. Insbesondere betriebliche Praktika könnten hier eine zentrale Rolle spielen und jungen Menschen zu konkreten Einblicken und Erfahrungen in den unterschiedlichen Berufsfeldern verhelfen.
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Forscher identifizieren Leseverhaltensmuster bei Schüler:innen

Laut der Gemeinschaftsstudie  des Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF), des Zentrums für Internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) und des Australian Council for Educational Research (ACER) sind die erkannten Verhaltensmuster im Kontext des digitalen Lernens relevant. Sie könnten demnach dabei helfen, Schüler:innen mit Verständnisproblemen zu identifizieren und sie daraufhin angemessen etwa mit anpassbarer Lernsoftware zu unterstützen. Ihre Ergebnisse haben die ForscherInnen anhand  von Aufgaben aus der PISA-Studie gewonnen. Daraus haben sie spezifische Klickmuster identifiziert, die sich verschiedenen Verhaltensweisen beim Lesen zuordnen lassen. Dabei verwendeten sie die Daten von 9.226 Schüler:innen aus sieben Ländern (Australien, Deutschland, Frankreich, Irland, Kanada, Österreich, USA). Je nach Aufgabenstellung wurden mehrere Muster gefunden, welche sich zudem auch länderübergreifend feststellen ließen. Beispielsweise fand sich eine „erkundende Gruppe“ von Schüler:innen, die weniger konzentriert und zielsicher vorgingen als Schüler:innen in einer „aufgabenorientierten Gruppe“. Beide Gruppen waren aber deutlich aktiver als etwa Schüler:innen mit einem passiven Bearbeitungsstil. Beim digitalen Verhaltensmuster der einzelnen Schüler:innen zeigte sich zudem ein Zusammenhang mit ihrer jeweiligen Lesefähigkeit. Die passive Gruppe zeigte zum Beispiel im Schnitt schlechtere Lesekompetenzen – sowohl digital als auch bei Printmaterialien. 
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