Fünf Wege in die KI-Zukunft: So gestalten Bundesländer digitales Lernen an Schulen

Von zentralen Zugängen bis zu neuen Lernkonzepten suchen Schulen eigene Wege für den sinnvollen Einsatz von KI im Unterricht

Künstliche Intelligenz (KI) ist in den Schulen angekommen und stellt das Bildungssystem vor neue Herausforderungen und Chancen. Die Bundesländer entwickeln hierzu eigene Strategien und Pilotprojekte. Ein Patentrezept gibt es nicht, doch die Vielfalt der Ansätze zeigt spannende Lösungswege auf, um Lehrkräfte zu unterstützen und Lernende auf eine von KI geprägte Welt vorzubereiten.

Die Integration von KI in den Unterricht erfordert klare Konzepte für den Einsatz von Tools wie ChatGPT im Lernprozess. Die Bundesländer gehen diese Herausforderung mit teils unterschiedlichem Fokus an. Fünf Beispiele für aktuelle Initiativen:

1. Sachsen: Zentraler, datenschutzkonformer Zugang

Sachsen priorisiert einen niedrigschwelligen und rechtssicheren Zugang zu KI-Werkzeugen für alle Lehrkräfte durch eine zentral bereitgestellte Infrastruktur.

  • Kernstück: Der „Assistent KAI“ ist direkt über das landesweite Schullogin erreichbar. Dies erspart Lehrkräften individuelle Registrierungen bei externen Anbietern und klärt Datenschutzfragen zentral.
  • Angebot: KAI bündelt den Zugriff auf gängige generative KI-Dienste (Sprachmodelle wie GPT-4o, Bildgenerator DALL-E 3). Die Nutzung ist datenschutzkonform (Speicherung auf dem Sächsischen Bildungsserver), und es gibt ein monatliches Freikontingent.
  • Unterstützung: Flankiert wird KAI durch das Informationsportal mesax.de/ki (mit rechtlichen Hinweisen, Tipps und Beispielen) und ein Support-Netzwerk. Dieses besteht aus Pädagogischen IT-Koordinatoren (PITKo) – Lehrkräften, die pädagogisch-technisch beraten –, Fachberatenden für die verschiedenen Fächer sowie den regionalen Medienpädagogischen Zentren (MPZ), die gemeinsam pädagogische und technische Unterstützung vor Ort bieten.
  • Besonderheit: Der sächsische Ansatz zeichnet sich durch die Integration der KI-Werkzeuge in das bestehende Schullogin-System aus, wodurch technische und rechtliche Einstiegshürden für Lehrkräfte systematisch minimiert werden.

2. Rheinland-Pfalz: Fokus auf tiefgehende Qualifizierung

Rheinland-Pfalz setzt den Schwerpunkt auf eine systematische und in die Tiefe gehende Fortbildung von Lehrkräften, um KI-Kompetenz nachhaltig im System zu verankern.

  • Kernstück: Das Programm „AI4Teachers“, in Kooperation mit dem Fraunhofer IAIS, bildet über zwei Jahre hinweg Lehrkräfte zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus.
  • Angebot: Die Qualifizierung geht über reine Tool-Schulungen hinaus. Sie umfasst Grundlagenwissen zu KI und Maschinellem Lernen, ethische Aspekte („Vertrauenswürdige KI“) und Programmiergrundlagen (Python). Die ausgebildeten Multiplikatoren geben ihr Wissen und didaktisches Handwerkszeug anschließend an Kollegien weiter.
  • Breitenangebot: Ergänzend steht allen Schulen die Plattform fobizz zur Verfügung, die einen einfacheren Zugang zu verschiedenen KI-Tools und vorgefertigten Prompts („Promptlabor“) bietet.
  • Besonderheit: Die rheinland-pfälzische Strategie zeichnet sich durch die Kombination aus einer wissenschaftlich fundierten Qualifizierung in Kooperation mit einem Forschungsinstitut und einem strukturierten Multiplikatorenmodell zur breiten Verankerung im Bildungssystem aus.

Datenschutzkonforme KI-Zugänge für Schulen

Die Bundesländer nutzen verschiedene Modelle, um Schulen rechtssicheren Zugang zu KI-Werkzeugen zu ermöglichen:

  • Staatliche Eigenlösungen (z.B. KAI in Sachsen, emuGPT in Sachsen-Anhalt): Hier betreibt das Land selbst die Plattform oder integriert KI in bestehende Landessysteme (z.B. Schullogin, Bildungscloud). Vorteil: maximale Kontrolle über Daten und Integration
  • Staatliche Schnittstellenlösungen (z.B. fAIrChat in BW): Das Land stellt eine technische Schnittstelle (API) bereit, die Anfragen an externe KI-Modelle anonymisiert. Vorteil: Datenschutzkontrolle bei Nutzung externer Modelle
  • Länderübergreifende Kooperation (z.B. Telli): Mehrere Länder entwickeln und betreiben gemeinsam einen Bildungs-Chatbot, integriert in ihre jeweiligen Plattformen. Vorteil: geteilter Entwicklungsaufwand, breitere Basis
  • Kommerzielle Bildungsplattformen (z.B. fobizz, schulKI): Externe Anbieter stellen (oft über Landeslizenzen) kuratierten Zugang zu KI-Tools über datenschutzkonforme Schnittstellen bereit. Vorteil: schneller Zugriff auf vielfältige Tools, Management durch den Anbieter

3. Bayern: Eigene KI-Anwendungen und ethischer Rahmen

Bayern verfolgt die Strategie, eigene, spezifisch für den Bildungsbereich entwickelte KI-Anwendungen zu erproben und deren Einsatz durch einen klaren ethischen Rahmen zu begleiten.

  • Kernstück: Das Projekt „KI@Schule“ der Stiftung Bildungspakt Bayern entwickelt und pilotiert verschiedene KI-Werkzeuge, die Lehrkräfte beispielsweise durch die Generierung adaptiver Übungsaufgaben bei der individuellen Förderung unterstützen oder durch Auswertung von Lernstandsdaten Hinweise für die Lernanalyse geben sollen.
  • Angebot: Neben den spezifischen Tools wurde ein Werte- und Ethik-Kodex KI veröffentlicht, der Schulen konkrete Leitlinien und Reflexionsfragen an die Hand gibt, um ethische Aspekte wie Transparenz, Fairness und Datensicherheit beim KI-Einsatz zu berücksichtigen und so einen verantwortungsvollen Einsatz zu fördern. Zentrale Fortbildungen werden über die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (ALP) angeboten.
  • Unterstützung: Das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) stellt ebenfalls Materialien und Handreichungen bereit.
  • Besonderheit: Bayerns Ansatz ist durch das duale Vorgehen gekennzeichnet, einerseits eigene, potenziell passgenauere KI-Lösungen für den Bildungskontext zu entwickeln und andererseits proaktiv einen normativen Rahmen für deren ethisch verantwortungsvollen Einsatz zu definieren.
     

4. Nordrhein-Westfalen: Integration in die Lehrpläne

Nordrhein-Westfalen zielt darauf ab, KI-Kompetenzen systematisch in die bestehenden Strukturen von Lehrplänen und digitaler Infrastruktur zu integrieren.

  • Kernstück: Der zentrale Ansatz ist die schrittweise Einarbeitung von Kompetenzerwartungen zum Umgang mit KI in die Kernlehrpläne. Das bedeutet konkret, dass für verschiedene Fächer und Schulformen festgelegt wird, welche Fähigkeiten im Umgang mit KI (zum Beispiel kritische Bewertung von KI-Ergebnissen, Nutzung zur Recherche) die Schülerinnen und Schüler im jeweiligen Fachkontext erwerben sollen. Ziel ist es, KI nicht als isoliertes Fach zu behandeln, sondern als Querschnittsthema zu verstehen.
  • Angebot: Die landeseigene Lernplattform LOGINEO NRW dient als technischer und inhaltlicher Hub. Über diese etablierte Plattform werden Schulen datenschutzkonforme KI-Werkzeuge zugänglich gemacht, beispielsweise durch die Anbindung von Chatbots über zertifizierte Partner. LOGINEO NRW soll zudem als Ort dienen, an dem qualitätsgeprüfte Unterrichtsmaterialien und Best-Practice-Beispiele zum KI-Einsatz zentral bereitgestellt werden.
  • Unterstützung: Die Fortbildung der Lehrkräfte zum Thema KI wird in die bestehenden Strukturen der Lehrkräftefortbildung eingebettet. Die regionalen Kompetenzteams der staatlichen Schulämter sind hier die zentralen Akteure, die entsprechende Qualifizierungsangebote für die Schulen vor Ort entwickeln und durchführen.
  • Besonderheit: Nordrhein-Westfalen verfolgt das Ziel, KI nicht als isoliertes Add-on zu behandeln, sondern als selbstverständlichen Bestandteil des fachlichen Lernens curricular zu verankern und dafür die bereits etablierte digitale Landesinfrastruktur LOGINEO NRW zu nutzen.

5. Baden-Württemberg: Pilotprojekte und KI-Campus

  • Kernstück: Das Land stellt Schulen über das Pilotprojekt „fAIrChat“ einen datenschutzkonformen Zugang zu ChatGPT zur Verfügung. Dieser Zugang wird in ausgewählten Schulen erprobt, um praktische Erfahrungen mit dem Einsatz generativer KI im Unterricht zu sammeln und deren Wirkungen sowie Herausforderungen unter realen Bedingungen zu evaluieren.
  • Angebot: Statt ein eigenes, landesweites Fortbildungsprogramm von Grund auf neu zu entwickeln, setzt Baden-Württemberg stark auf die Nutzung und Bewerbung bereits existierender, qualitativ hochwertiger externer Ressourcen. Insbesondere wird auf die Online-Kurse und Materialien des bundesweiten, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten KI-Campus verwiesen, um Lehrkräften eine flexible und fundierte Weiterbildung zu ermöglichen.
  • Unterstützung: Das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) flankiert diese Ansätze, indem es ebenfalls Unterstützungsleistungen, didaktische Materialien und Handreichungen zum Thema KI für Schulen bereitstellt und Fortbildungen anbietet.
  • Besonderheit: Kennzeichnend für Baden-Württemberg ist ein agiler Ansatz, der auf schnelle Erprobung durch Pilotprojekte setzt, um Erfahrungen zu sammeln, und für die Lehrkräftequalifizierung bewusst auf bereits etablierte, bundesweit verfügbare und qualitativ hochwertige externe Lernangebote zurückgreift.

Andere Bundesländer

Die vorgestellten Beispiele aus Sachsen, Rheinland-Pfalz, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg wurden ausgewählt, weil sie unterschiedliche strategische Schwerpunkte bei der Integration von KI in Schulen illustrieren. Sie reichen von zentralen Infrastrukturlösungen über tiefgehende Qualifizierungsmodelle bis hin zur Entwicklung eigener Tools und der curricularen Verankerung. Neben diesen fünf Beispielen gibt es weitere bemerkenswerte Projekte, wie das länderübergreifende KI-Chatbotprojekt Telli, das von einem Verbund mehrerer Bundesländer (unter anderem Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen) entwickelt wird und bis Ende 2025 in mehr als der Hälfte der Länder eingeführt werden soll. Auch Sachsen-Anhalt geht mit emuGPT den Weg einer Eigenentwicklung. Diese Beispiele zeigen die Dynamik und die föderale Vielfalt bei der Suche nach passgenauen Lösungen für den KI-Einsatz in Schulen.

Fazit: Vielseitige Wege in die KI-Zukunft des Schulalltags

Eine einheitliche KI-Strategie für deutsche Schulen gibt es (noch) nicht. Die Länder setzen unterschiedliche Schwerpunkte – von zentraler Infrastruktur über breite Qualifizierung bis hin zur Entwicklung eigener Tools. Alle Ansätze eint jedoch das Ziel, Lehrkräfte handlungssicher zu machen und Schülerinnen sowie Schüler auf eine Zukunft mit KI vorzubereiten. Welche Modelle sich langfristig als besonders tragfähig erweisen, wird die Praxis in den kommenden Jahren zeigen. Entscheidend wird sein, voneinander zu lernen und die jeweiligen Stärken der Ansätze – einfacher Zugang, fundierte Qualifizierung, pädagogisch sinnvolle Werkzeuge und ein klarer ethischer Kompass – intelligent zu kombinieren.

Sachsen

Rheinland-Pfalz

Bayern

Nordrhein-Westfalen

Baden-Württemberg

Länderübergreifende und weitere Beispiele

  • Telli(KI-Chatbot, länderübergreifend u.a. Bremen, Brandenburg, Hessen, Hamburg, Baden-Württemberg, Thüringen):
  • emuGPT– Eigenentwicklung Sachsen-Anhalt